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      Der andere Blick
Jutta Ditfurth

24.05.2018

50 Jahre 68er-Bewegung 

Vortrag von Jutta Ditfurth in Mays Fabrik in Hennef


Schrieb ich jetzt Vortrag? Oweh, das ist aber arg minimiert, denn das war viel mehr, als ein Vortrag, das war eine Lehrstunde in Wahrheit und was als Wahrheit verkauft wird. Genau, verkauft, denn im Kapitalismus geht es ja immer um Geld und das dient der Machterhaltung.

Die wirkliche Wahrheit hätte viele die Macht gekostet, denn dann wäre die 68er Bewegung nicht eine kleine, relativ auf die Bevölkerung bezogen, Gruppe gewesen, sondern wirklich eine machtvolle Bewegung.

Jutta Ditfurth erzählte über Ulrike Meinhoff und Rudi Dutschke, und auch da kam eine andere Wahrheit zur Sprache, als wir sie kennen. 
Es wird abgestritten, dass die beiden befreundet waren. Das absurdeste Argument ist dabei, es gäbe kein gemeinsames Foto von ihnen. 
Befreundet sein hat ja auch nix mit Fotoshooting zu tun. 

Und bei vielem, was sie sagte, waren Parallelen zu heute zu spüren – heute, wo auch wieder gelogen wird  und die Wahrheit verschwiegen wird.

Es würde den Rahmen meiner Arbeit sprengen, alles hier aufzuführen.
Ich kann nur für mich sagen:

Zu diesem Vortrag ging ich mit der Gewissheit, das kenne ich ja alles, da habe ich ja gelebt.

Das war ein großer Irrtum. 

Wahrheit ist immer konkret, sagte Willy Brandt, der auch nicht der Heilige war, der aus ihm gemacht wird.

Die Konkretheit ist in dem Buch „Rudi Dutschke und Ulrike Meinhoff“ von Jutta Ditfurth nach zu lesen. 
Viele Recherchen, die sie durchführte, zeigten ein anderes Bild, als es öffentlich bekannt war.
So wurde auch aus Rudi Dutschke ein Heiliger, der aber in Wirklichkeit durchaus auch Gewalt als Mittel betrachtete.

Jutta Ditfurth forschte in Primärquellen und nicht so wie andere, die nur Gerichtsakten oder Sekundärliteratur auswerteten, weshalb auch nicht bekannt war, dass der frühere Ehemann von Ulrike Meinhof, Klaus Rainer Röhl, der gerne als Kronzeuge benutzt wurde, der schon ins deutschnationale abgerutscht war, zwei seiner drei Töchter über längere Zeiträume sexuell missbraucht hatte. 

Dieses Buch ist nicht nur lesenswert,sondern ein Muss, wenn man die Vergangenheit erkennen will um die Gegenwart zu verstehen. 

Wenn Sie irgendwo Gelegenheit haben Jutta Ditfurth zu hören, einen Vortrag zu besuchen, nutzen Sie die Gelegenheit, denn Sie werden Neues erfahren.

Ein paar Worte von mir, ehe ich mein persönliches Resume`ziehe:

Worte besitzen Macht.
Manchmal stehen wir ihnen
machtlos gegenüber.

Aber manchmal bereichern sie uns.
Sagen uns etwas, was wir so
noch nie gehört haben.

Wir leben in einem System, dessen Definition ich als erstes einstellen möchte.:


Kapitalismus Definition

„die Wirtschaftsform, in der die Produktionsmittel Privateigentum sind und in der die Wirtschaft vor allem durch die Mechanismen des Marktes (und nicht durch eine staatliche zentrale Lenkung) gesteuert wird.“

Was Markt bedeutet, ist hier sehr gut nachzulesen. Vorangesetzt: Kennen Sie das, wenn es etwas Neues gibt und sie denken, wie konnte ich nur so lange ohne?
Markt ist das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage, wobei die Nachfrage mittlerweile dadurch entsteht, dass ein Bedarf geweckt wird, denn im Prinzip gibt es alles Lebensnotwendige.

https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/markt-40513


Weder im Kapitalismus noch beim Markt wird der Mensch erwähnt, nur das Geld spielt einen Rolle. 

Das ist, wir sehen es heute extrem, eine Umkehrung der Werte. Armut wird erzeugt, weil die wirtschaftliche Globalisierung ohne Armut gar nicht funktioniert.
Das Gesundheitswesen mutiert zum Unwesen. Nur wer Geld hat, kann sich alle Untersuchungen und Behandlungen leisten. 


https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/kommunismus-39031

„Kommunismus
Definition
steht zumeist für umfassende Gütergemeinschaft und Gleichheit der Lebensbedingungen aller Gesellschaftsmitglieder. Derartige Ideen finden sich zwar bereits bei Platon („Politeia”), T. Campanella („Der Sonnenstaat”) und T. Morus („Utopia”) und wurden auch z.B. von den urchristlichen Gemeinden, religiösen Sekten des Mittelalters oder im Jesuitenstaat in Paraguay (1609–1769) praktiziert, jedoch entstehen sie als ein ausdrücklicher Gegenentwurf zur bestehenden Gesellschaftsordnung erst mit und in der Folge der Französischen Revolution. Diese Ideen zielen im 19. und beginnenden 20. Jh. auf die Abschaffung der durch Laissez-Faire-Liberalismus (Liberalismus) und die damit einhergehenden sozialen Missstände geprägten kapitalistischen Wirtschaftsordnung.“
Ja, selbst christliche Organisationen, die Urchristen, religiöse Sekten und sogar der Jesuitenstaat in Paraquay zogen den Kommunismus vor.
Im Gegensatz zum Kapitalismus steht dabei Mensch im Mittelpunkt.

Durch viele Lügen und Diffamierungen wurde die Erstarkung der 68er Bewegung verhindert, das waren nämlich keine Massen, sondern der Kern nur wenige.

Und heute läuft das nicht anders.
Wir haben den historischen Antikommunismus und den seit 1989 den Kapitalismus stärkenden Antikommunismus. 

Wenn ich mir so durchlese, was Kommunismus bedeutet frage ich mich, wie die Kapitalisten es schaffen der Bevölkerung diese Ängste vor ihm einzujagen?
Ach, man kennt doch die Lüge, dass der Oma ihr Häuschen geklaut werden soll. Lüge, wie gesagt.

Seit dem Ende der DDR ist der Gegenpol zum Kapitalismus verschwunden und ist ihnen schon aufgefallen, dass es seit der Zeit immer mehr bergab geht?

Aber auch da funktioniert noch das Märchen von „Des Kaisers neue Kleider“.

Zu dem zynischen System des Kapitalismus muss man auch die Erziehung im Sinne des Hierarchiedenkens dazu zählen. Natürlich gab es das vor dem Kapitalismus auch schon, aber warum wurde es noch nicht abgeschafft?

Ist doch klar: Wenn man die Gesellschaft aufteilt in wertvollere und unwertere Menschen, wird immer nur nach unten getreten, auf die, von denen uns erzählt wird, sie seien böse, sie seien gefährlich, sie würden unsere Existenz bedrohen und wir haben natürlich gelernt, dass oben das Gute ist. 
Zum Glück waren da aber auch Menschen lernresistent, sonst gäbe es niemanden, der sich gegen die Verhältnisse auflehnt. 
Und wenn man dann liest, wofür der Kommunismus steht, muss man sich doch fragen, warum die Befürwortung des Kommunismus als Extremistisch abgewertet wird. 
Es wird die Gleichheit der Menschen darin angestrebt. Die Gleichheit der Menschen steht auch in den Menschenrechten aber haben sie das schon mal erlebt? Oder sehen sie die Menschen als gleich? Oder folgen sie der Sündenbockmentalität, bei der die wirklich Schuldigen außen vor bleiben. 
Das war übrigens selbst in Albanien schon sehr früh Tradition. 

Kommunistische Länder wurden immer Repressionen ausgesetzt, schaue Kuba, oder eher _Sozialistisch. Man isoliert sie vom Weltmarkt.
Ja, liebe Leute, da geht doch (fast) jedes Land kaputt. Kuba nicht. Klein aber stark.

Im Kapitalismus haben wir also das Kapital, die Produktionsmittel in privater Hand, aber nicht in ihrer, sie werden nur gebraucht, damit die Kapitalisten noch mehr Kapital anhäufen können, auf Kosten ihrer Gesundheit zum Teil selbst auf Kosten ihres Lebens.

Und weil der Kapitalismus der Fraßfeind der Menschlichkeit ist,führt er auch viele Kriege, weil er natürlich immer mehr Ressourcen anhäufen will und muss. Sonst ist er aus dem Spiel raus, der Kapitalist. 
Franz  Josef Degenhardt hat sehr früh ein passendes Lied dazu gesungen mit Namen „Monopoly“
https://youtu.be/e8zlp0ze0SA .

Monopoly spielt z.B. auch Bayer, die Monsanto sich einverleiben und somit zum Monopolismus beitragen. 
Gehen wir noch mal zu den christlichen Kriegen.
Da werden Feindbilder erzeugt, z.B. in dem die USA in Afghanistan eine Gruppe unterstützt, um Russland dort raus zu werfen, vieles dieser Gruppe verspricht und nichts hält.
Aus dieser Gruppe, damals noch nicht so genannt, werden die Taliban, die begründet wütend auf die USA sind und deshalb dann auch dort Attentate verübt.
Und  als dann Bush die Welt aufteilte in die „Achse des Bösen“ und die „Achse des Guten“ drängelten sich natürlich alle, um zu den Guten zu gehören und auch das kapitalistische Deutschland.

Wie sagte Struck?: „Wir müssen Deutschland am Hindukusch verteidigen.“ (sinngemäß zitiert)
Hat da  jemand gesagt: „Lieber Herr Stuck, und wenn dann die Bewohner der Hindukuschländer nach Deutschland kommen, um hier ihr Land zu verteitigen, was dann?“

Ne, hat keiner denn wenn es um Rüstungsindustrie geht, die ist ja verliebt in Kriege, da widerspricht man nicht. Jetzt hätte ich fast geschrieben, dafür werden sie ja bezahlt? Aber das würde ich natürlich nie behaupten (können).

Bush, ein christlicher Fundamentalist soll ja gesagt haben, ihm sei Gott erschienen und habe ihm den Auftrag gegeben den Frieden in die Welt  zu bringen.
Oje, stellen Sie sich mal vor eine Menge Leute und behaupten das. Sie werden schon sehen, wo sie dann landen. Sicher nicht in der Regierung, wobei, manchmal denke ich, die gehörten eigentlich alle dahin, wo sie dann landen würden.

Heute heißt es in Deutschland immer:
„Wir müssen das christliche Abendland verteidigen. Gegen die bösen bösen Muslime,die ja im Mittelalter noch leben. Deutschland war da im Mittelalter bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts, denn bis dahin durften Männer alles bestimmen, was Arbeitsverträge oder auch Arbeitsstellen von Frauen betraf, wie Jutta Ditfurth auch in ihrem Vortrag erwähnte. 

Also, das christliche Abendland muss verteidigt werden. Aber warum hat denn zum Teufel niemand die kommunistischen Urchristen verteidigt? Was ist an unserem Kapitalismus erhaltenswert, außer dass die Kapitalisten natürlich um ihr Kapital bangen? 

Es heißt, wir hätten eine Demokratie. 


Bundeszentrale für politische Bildung

„Die deutsche Demokratie ist nicht eine Demokratie, die lediglich Spielregeln vorschreibt, sich sonst aber im politischen Meinungskampf neutral verhält. Sie tritt vielmehr für bestimmte oberste Werte ein, an erster Stelle die Würde des Menschen, die sie als "wehrhafte" und "streitbare" Demokratie verteidigt. Parteien, die diese obersten Werte missachten und mit demokratischen Mitteln die Demokratie selbst abschaffen wollen, müssen in Deutschland damit rechnen, verboten zu werden. “



„"wehrhafte" “? „"streitbare" “? „oberste Werte“?

Und da führen sie die „Würde des Menschen“ an?

Kapitalismus kann nur bestehen unter Missachtung der „Würde des Menschen“.
Natürlich, je nachdem wer sie für was auch immer benutzt, wird dieses Land sie verteidigen, klar. Aber niemals, wenn sie im Rahmen des Kapitalismus ausgebeutet werden auf Kosten ihrer Gesundheit oder ihres Lebens, dann ist ihre Menschenwürde egal. 

Es gibt ja auch noch das Recht auf „körperliche Unversehrtheit“, aber interessiert das jemanden?

Oberste Werte? Wehrhaft? Der oberste Wert ist längst das Geld und die Wehrhaftigkeit zeigt sich nur noch in Kriegen, in denen deutsche Soldaten wieder morden oder helfen zu morden. „Soldaten sind Mörder“ und wenn am 09.06.2018 in Bonn wieder der „Tag der Bundeswehr“ stattfindet, da muss man dann wehrhaft auftreten, ohne Krieg, aber für die Demokratie und die Menschenrechte.

Und wehrhaft müssen wir auch die Demokratie verteidigen, wenn wir wählen gehen, wenn wir nicht wollen, dass unsere Nachkommen in Kriege ziehen müssen,weil man ihnen durch schlechte Bildung und Chancenlosigkeit, weil die Herkunft nicht stimmt, die Zukunft zerstört, dann aber Soldaten in Uniform in Schulen für die Bundeswehr werben lässt, die Parteien wählen, die gegen Kriege sind, die für bessere Bedingungen für alle Menschen sind, die keine imperialistische Politik unterstützen. 

Demokratie soll ja was mit dem Willen des Volkes zu tun haben. Soll, denn wie soll das Volk einen Willen entwickeln, wenn es über existentielle Dinge belogen wird. 
Aber wissen Sie, Kriege, tote, zerstückelte Kinder, die dort hin müssen, ist doch nicht so schlimm. Es wurde doch schon wieder das Heldentum eingeführt. Mein Gott, wer will kein Held sein. So wurde eine Kaserne nach einem, verniedlichend  „gefallenen“Soldaten, der natürlich nicht gefallen sondern krepiert ist, benannt. 

Wissen Sie was? Seien sie lieber ein Held, wenn Nazis hier wieder Menschen ermorden oder Flüchtlingsheime oder Wohnungen von Menschen anzünden.
Seien Sie lieber ein Held, wenn es darum geht, die Lebensbedingungen zu verbessern für alle Menschen. 
Sie können auch ein Held sein, wenn sie sich vor Menschen einer Demonstration stellen, die mal wieder verknüppelt werden sollen.

Wenn sie aber im Krieg zerstückelt werden, von Bomben, vielleicht sogar, wieder verniedlichend, friendly Fire, sind sie kein Held, sondern sie werden als Martyrer missbraucht.

Martyrer sind die, die man bei Islamisten als Terroristen verteufelt.

Nein, da ist kein Unterschied. Auch christliche Martyrer in Kriegen sind Terroristen, staatlich Geprüfte Terroristen. 

Ich wünsche Ihnen ein langes Leben, das sie selber mitgestalten können, indem sie sich wehren gegen eine Politik, die Sie nicht berücksichtigt, sondern nur ver- und missbraucht.

U.a. Fotos von Büchern der Autorin Jutta Ditfurth: