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      Der andere Blick

01.04.2015

"Da musst du professionell bleiben"

Oft wird, gerade in sozialen Berufen, von "professionell bleiben" gesprochen.
Was heißt das eigentlich?


Wenn man Profession Berufen gleichsetzte, in einer Liste waren allerdings nur als Beispiele "Richter/Ärzte" aufgeführt, würde das ja bedeuten, dem Beruf entsprechend, also beim Arzt Menschenleben retten, beim Richter Recht sprechen.

Nun erlebt man aber oft, z. B. bei Pflegeberufen, wenn jemand anfängt mit zu leiden, gibt es auch bei Ärzten, das ihnen geraten wird "professionell zu bleiben", d.h., zu handeln, wie zu handeln ist. In der Psychiatrie z.B. einen Patienten, der sehr unruhig ist, auch mit Gewalt zu "fixieren".

Bei mir kommt dann immer eine Assoziation bezogen auf das Buch von "Alexander Mitscherlich", "Medizin ohne Menschlichkeit". 


Durch psychologische Studien wurde belegt, dass die Ärzte, die Menschen ermordeten, ihre Gefühle abgespaltet hatten. Genauso wie KZ-Aufseher oder andere in verbrecherischen Positionen zur Nazizeit.

"Gefühle abspalten" 
Heute heißt das Dissoziation.
Es heißt, jeder Mensch kann solche Momente erleben, es kann aber auch krankhaft sein.


Da stellen sich doch Fragen, mir zumindest:


Wann ist man beruflich gezwungen Gefühle abzuspalten?

Oben steht ja schon ein Beispiel, aus dem Pflegebereich.

Es soll ja helfen, die geforderte Arbeit überhaupt ausführen zu können.
Aber wie gefährlich ist das? 


Es gab mal eine Dokumentation über die Nazizeit. Es ging um die Zwillingsforschung und ehe ich jetzt einen falschen Namen eines damaligen Arztes schreibe, benenne ich ihn gar nicht.

Es wurde eine Untersuchung gezeigt. Der Arzt hob einen Säugling an einem Bein hoch und hielt in Kopfunter in der Luft. NIcht kurz, sondern durchaus einige Minuten. 
Der Säugling schrie verzweifelt, er schrie und schrie.
Aber es ging ja um Forschung und der Arzt wollte etwas erforschen. Die Dokumentation wurde vor ca. 20 Jahren gezeigt, hat mich aber niemehr losgelassen.
Dieser Arzt betrachtete nur den schreienden Säugling, nichts sonst machte er. Nur schauen. Minutenlang.

Da er Forscher war, handelte er ja professionell, oder? 

Solche Bilder bekommt man nicht aus dem Kopf.