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      Der andere Blick

21.12.2017


Es ist ja bekannt, dass jeder von Depressionen geplagt werden kann, bei Spitzensportlern ist es ja auch mittlerweile durch fatalen Ausgang bekannt geworden.

So passierte es mir auch  und ich ging vorsichtshalber, um mich selber zu schützen, in die Klinik. Welche, das lassen wir mal in der Anonymität schweigen.

Natürlich war für mich die Verbindung zum Internet trotzdem wichtig. 
Mein Laptop war dabei, aber, es hieß, W-lan gäbe es nicht. 
Ich wollte ja trotzdem schreiben, Verbindung halten, Kontakte knüpfen und recherchieren. 
Aber dafür musste ich in meinem Handy einen mobilen Hotspot einrichten, und, so dankbar ich für die Möglichkeit war, es war teuer und im Prinzip ging es über meine finanziellen Möglichkeiten hinaus.
Aber ich will sowieso abnehmen, also, mit Humor nehmen.

An einem Tag war ich unten im Foyer und sah auf einem Bildschirm die Werbung "W-lan für Gäste".
Natürlich bin ich sofort zur Information und habe mich erkundigt, ob es doch auch W-lan für Patienten gäbe.
Die Antwort erstaunte: 
"W-lan gibt es auf jeder Station."
Und dann kam es:

"Auf welcher Station sind Sie denn?"
Das war  schnell gesagt und was erhielt ich als Antwort?

"Nein, da nicht, nur auf der Neurologie."
Tja, mit Depression ist man aber auf der Psychiatrie.
 Als erstes setzte ich mich mit der "Ombudsperson" in Verbindung.

Ach nein,ich veruchte es, aber diese Person war nicht da.
Da ich sowieso noch ein Gespräch mit dem Pressesprecher hatte, schilderte ich ihm das Problem, worauf er erwiederte, seine Kollegin im Nebenzimmer sei für das Beschwerdemanagment zuständig.

Also sprach ich mit der Kollegin, die auf meinen Hinweis hin sofort mit der Geschäftsleitung oder Verwaltung (Gedankenprotokoll, deshalb etwas Unsicherheit, wen sie anrief) in Verbindung und erhielt die Auskunft, ja, man wisse um das Problem und das  soll auch gelöst werden. W-lan würde es auch bald für wirklich alle Stationen geben.

Damit gab ich mich dann auch zufrieden, ich würde es bei dem Aufenthalt nicht mehr erleben, aber andere würden ja davon profitieren.

Ich war schon fast 2 Wochen wieder zu Hause, als ich von der Ombudsperson eine mail erhielt mit der Entschuldigung für die späte Antwort, es sei krankheitsbedingt zur Abwesenheit seiner Person gekommen. 
Damit hatte ich gar nicht mehr gerechnet, war doch das Problem noch nicht gelöst, aber geklärt, dachte ich.

"Er habe Rücksprache mit Verwaltung und Fachabteilung genommen und könne mir mitteilen, als Patientin der offenen Station könne ich W-lan schon in der Cafeteria und Teestube nutzen." (beides zeitlich eng begrenzt)

anonym zitiert:
"Generell möchte ich Ihnen aber auch mitteilen, dass es bei weitem keine Diskriminierung darstellt, wenn die zuständigen Ärzte/Oberärzte es als nicht gesundheitsfördernd feststellen, dass den PatientInnen kein W-Lan zur Verfügung gestellt werden soll.

Da die Personen bedingte Nutzung aber einen hohen technischen Aufwand bedeutet, entscheidet der Vorstand, welche Bereiche flächendeckend den „Gästen“/PatientInnen zur Verfügung gestellt werden."

Vor diesem Hintergrund wurde ich gebeten meine Beschwerde neu zu bewerten.


Das geht natürlich nicht, die Neubewertung.
Zum einen war bei der Dame des Beschwerdemanagments, die auch telefonierte, keine Rede davon, dass es tatsächlich darum gehen soll, dass eben Psychiatriepatienten kein W-lan erhalten (sollen), zum anderen haben Ärzte individuelle Möglichkeiten Patienten w-lan-Nutzung zu verbieten, zu begrenzen und zu erlauben. Dazu muss nicht ein gesamter Bereich von der Patientennutzung ausgeschlossen werden.
Es ist auch nicht nachvollziehbar, warum Psychiatriepatienten generell von W-lan ausgeschlossen werden sollen. 
Wenn man mal davon ausgeht, dass man meist in solch einer Klinik nur begrenzte Kontakte hat, kann w-lan auch sehr wichtig sein. 

Ich bleibe bei meiner Einschätzung dieser Entscheidungen: Hier werden Psychiatriepatienten diskrimniert.

In wiefern der Vorstand die Kompetenz zur Beurteilung hat oder von wem er beraten wurde entzieht sich meiner Kenntnis. 

Wenn es um Kosten geht, dann wird allerdings gespart auf Kosten der Patienten in der Psychiatrie