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      Der andere Blick

03.06.2018

 

Wie ist das eigentlich, wenn man in Not ist? Wenn man Hilfe braucht, schnell,
niemanden hat, der einen fahren kann, der psychische Zustand aber so extrem
in Richtung Suicid geht, dass sie schnellstmöglich in Sicherheit müssen. 

Klar, die Lösung ist einfach, die 112 wählen, Zustand schildern, Krankenwagen kommt,
schnell.
Dann wollen Sie den Nachbarn noch Bescheid geben, weil die beim letzten mal so besorgt waren, 
dass sie mitten in der Nacht die Polizei anriefen, einer kletterte auf den Balkon, sah mich nicht, 
ein anderer Nachbar wusste, da war Rücken und Krankenhaus nah und dann wurden alle Krankenhäuser abtelefoniert, bis die klar war, wo ich steckte, also, sie wollen den Nachbarn noch
Bescheid geben aber schon nach 1 Minute Hektik, weil die Sanitäterin drängt. Nein, nicht wegen 
des Gesundheitszustandes, sondern der Wagen wäre teuer,ich solle mich beeilen.

In der Klinik angekommen meinte sie dann noch sagen zu müssen:
"Sie hätten sich auch ein Taxi rufen können."
Naja, denke ich, die kennt sich nicht aus, weiß vielleicht gar nicht, worum es geht und sage dann,
um ihr zu helfen: "Aber aus dem Taxi wäre ich während der Fahrt vielleicht raus gesprungen und ich habe überhaupt gar kein Geld für ein Taxi,als Grundsicherungsempfängerin." Immerhin hätte die Fahrt über 20 Euro gekostet,mindestens, wahrscheinlich mehr.
Aber sie war gar nicht unwissend. Nein, sie meinte der Wagen wäre ja auch teuer und müsste bezahlt werden. Und da hätte ich ja auch rausspringen können. 
Soso, hinten im Rettungswagen, angeschnallt an einen Sitz in Begleitung eines Sanitäters. 

Wissen sie, da ist man verzweifelt, braucht Hilfe, Verständnis und dann meint eine Sanitäterin, über Geld reden zu müssen. 
Innerlich war der Impuls aus der Tür zu laufen und vor das nächste Auto. Problem gelöst, Sparprogramm hat gegriffen.

Habe ich aber nicht gemacht.  
Dieses Verhalten habe ich nun schon zweimal erlebt, jedes mal war es eine Frau. Von einem Mann habe ich so etwas empathiloses noch nicht gehört.

Viellicht war es eine FDP-Anhängerin oder gar ein FDP-Mitglied, denn aus deren Reihen sprach ja vor Jahren schon jemand vom sozialverträglichen Frühableben. 
Das sollten wir mal nicht so weit weg schieben. Wenn man sich die Arbeitsbedingungen der meisten Menschen und die zum Wohle der wirtschaftlichen Globalisierung produzierte Armut anschaut, sind wir davon nicht weit entfernt.
Was würde besser der Rubriküberschrift "Vom Gesundheitswesen zum Unwesen" entsprechen, als das sozialverträgliche Frühableben.  

update 04.06.2018

Wie sieht das rechtlich überhaupt aus, wenn sich der Suicidale im Taxi während der Fahrt in einer Impulshandlung, z.B. mit einem Messer, umbringt?
Wer kümmert sich dann um den Taxifahrer, der ein unerträgliches Trauma erlebt hat?
Dürfen Aufgaben des Gesundheitssystem in dieser Art und Weise an private 
Taxiunternehmen abgegeben werden oder bin ich zufällig an zwei geraten, die fatale politische Einstellungen haben?

Diese Äußerungen scheinen mir ein No Go zu sein.