rotpoetin.de
      Der andere Blick

Wandern ist mehr, als gehen. 

Wandern ist die Vereinigung mit der Natur.
Beim Wandern werden nicht nur die Muskeln trainiert, nein, alles wird trainiert und beeinflusst.
Nicht zu verwechseln mit Walking, bei dem ich oft Menschen mit vor Anstrengung ganz ernstem Gesicht sehe, die ihr Pensum abarbeiten.
Das ist nicht wandern.
Wandern ist, die Sinne öffnen, für alles, was einen erreicht, der Lufthauch auf der Haut, die Diskussionen der Vögel, das Rascheln der Blätter, die besonderen Schönheiten der Natur, 
Das Auge wird trainiert, während es sich im Grün erholt. Es nimmt mehr wahr, als sonst.
die Hände können über Blätter oder Blüten, Baumstämme oder kleine Äste streicheln, die Wärme der Lebenwesen Pflanzen spüren und so ganz nebenbei werden unsere Muskeln stärker.
Genuß mit Training gepaart, ein Vergnügen. 
Ich schrieb mal zwei Gedichte zu meinen Empfindungen zur Natur, die ich zum Lesen einsetze.:


Mein Heim im Wald 
 
Ich flüchte aus der großen, lauten Stadt. 
Die Sehnsucht führt mich hin aufs Land, 
das grüne, braune, bunte Stille hat. 
Ich nehme mich selber an die Hand. 
 
Dann tauche ich ein in den tiefen Wald, 
höre die Bäume seufzen und auch stöhnen.
Sehe eine Buche, suche starken Halt, 
weil ich mich frage, ob sie mich verhöhnen. 
 
Sie neigen tief die Köpfe mit den Kronen. 
Sie winken mit den langen, schlanken Armen. 
Es ist als würden Seelen ihnen innewohnen. 
Am liebsten würde ich bitten um Erbarmen. 
 
Ihre Haare singen mir ein Lied. 
Von Trauer, Hass, von Freude und auch Kriegen. 
Ich glaub', es ist entscheidend, was man hört und sieht, 
sich letzten Endes denn als 
Mensch doch zu besiegen. 
 

Ich wurde eins mit Erde, Sonne, Wind. 
Lass fallen mich in all mein urig Fühlen. 
Der Wald nimmt mich auf geschwind. 
Jetzt muss ich nicht mehr denken sondern fühlen. 
 
Ich fühle mich als Baum, als Blume, Strauch. 
Als Falke gleite ich sanft durch Zeit und Raum. 
Die Bienen dieser Welt summen in meinem Bauch. 
Ich fühle mich in einem schönen Traum. 
 
Ich möchte ewig nicht daraus erwachen. 
Die ganze Natur, wünsche ich, soll mich begatten.
Ich möchte mit den Pflanzen, Tieren lachen 
Jedoch der Mensch will mir dies nicht gestatten. 
 
Ich muss zurück in grausig kalte Winde, 
die Menschen um die Erde jagen. 
Der Mensch benutzt Natur nur als Gesinde, 
er hört nicht drauf, was ihm die Bäume sagen. 
 
Ich werde immer dann, wenn ich sehr leide,  
verschwinden in mein Heim, zum Walde hin. 
Ich lasse mich hüllen in der Natur Seide 
und finde Halt, weil ich ein Baum dann bin.


Leben 3


Weinend sitze ich auf

der Tauwiese und sehne

mich nach starken Armen,

die nicht da

und nah

sondern fern.


Sinnend betrachte

ich die Spinnen,

die voller

Hinterlist das nächste

Netz spinnen

für den nächsten

Feind.


Seiend schaue ich

in den Himmel,

weit über mir

mit endlos scheinendem

Blau

gleich einer

riesigen Kornblume.


Lachend erhebe ich

mich,

strecke meine

starken Arme gen

Himmel,

drehe mich

höre Takte

in meinem Kopf,

fern aller Last,

und fange an zu

tanzen.


Erschöpft, aber

voller Lebensfreude und

-lust

gehe ich nach Hause

und singe und springe

als gäbe es die

Schwerkraft nicht.


Leben.